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workshop_holzwerkstatt:umgang_mit_bohrer_stichsaege_und_schrauben

Du bist mit Holzwerkstatt noch nie in Berührung gekommen, willst aber praxisorientierte Grundlagen sammeln? Dann bist du hier genau richtig. Angeboten wird ein Heranfürungsworkshop mit praktischen Schwerpunkt “versierter Umgang mit Bohrmaschine, Stichsäge und Handwerkszeugen der Holzwerkstatt”. Ziel ist es, mit in freier Wildbahn häufig vorkommenden Handmaschinen Plattenwerkstoffe passend zuzuschneiden und zu einfachen Kleinmöbeln zu verschrauben.

Hier stehen die theoretischen Inhalte des Workshops, ergänzt werden diese im Workshop durch eine praktische Anwendung des Wissens.

Entwurf planen mit bemaßter Skizze

Die bemaßte Skizze ist eine Freihandskizze mit Maßzahlen. Die Skizze selbst ist nicht maßstabsgerecht, ihr Vorteil ist, dass sie sich schnell zeichnen lässt, eine Skizze eben. Ein Bleistift und ein Reststück Brett reichen zur erstellung einer bemaßten Skizze aus. Die Skizze erfüllt 2 Funktionen: 1.Kommunikation: wie sieht das fertige Möbel ungefähr aus? Andere sollen verstehen, was ich bauen will. 2.Konstruktion: Was sind die Maße sämtlicher Bauteile? Was sind die Winkel sämtlicher Bauteile, insbesondere: in welchem Winkel treffen die Kantenflächen der Bauteile aufeinander?

Hier fehlen noch: –Beispielkskizzen–

Zeichnet eure Skizze ohne Radierer und ohne Lineal, das trainiert die Feinmotorik, die braucht ihr später auch bei den Werkzeugen. ;) Ihr könnt nur besser werden.

Stückliste

Mit Hilfe der bemaßten Skizze erstellt man eine vollständige Liste an Werkstücken, die gefertigt werden müssen. Stückliste Formular Downloadlink In kleinem Maßstab analog arbeiten kann man mit diesem .pdf Formular Plattenaufschnitt Formular Downloadlink

Diese Formulare sind am einfachsten, darum verwenden wir sie hier.

Gut zu wissen, für spätere, anspruchsvollere Projekte: Die nächst komplexere Stufe der bemaßten Skizze wäre eine technische Zeichnung. Egal ob bemaßte Handskizze oder technische Zeichnung, man braucht fast immer mindestens 3 Ansichten: Aufsicht, Seitenansicht, Vorderansicht. Technische Zeichnungen vermitteln einen realistischen Eindruck der Proportionen des fertigen Möbels und all seiner Komponenten. Sie sind auch die einfachste Form der Simulation, Bewegungen einzelner Teile können in einer technischen Zeichnung mit Transparenzpapier simuliert werden. Eine Einführung hierzu gibt es hier: -Link-

Wie viele Stücke bekomme ich aus dem Plattenwerkstoff herausgeschnitten? Es gilt, möglichst wenig Verschnitt von der Platte übrigzulassen. Bei 8€ teurer OSB Platte ist das nicht ganz so wichtig, bei dicker Multiplexplatte kostet der Quadratmeter je nach Dicke bis zu 60 Euro. Die App CutList Optimizer nimmt einem hier das Denken ab, übernimmt die Funktion von Stückliste und berechnet ob die Platte ausreicht und sorgt für wenig Verschnitt, wenn rechteckige Stücke geschnitten werden müssen. Baut man Freiformen, lassen sich diese am besten als technische Zeichnung im Maßstab 1:1 auf die Platte auflegen und passend ausrichten. In CAD-Software geht das selbstverständlich noch einfacher, sofern man die Software beherrscht.

Messen

Zum messen von Innenmaßen bei bestehenden Möbeln oder Wandvorsprüngen (lichtes Maß) verwendet man entweder 2 Zollstöcke oder macht eine Markierung und misst das Restmaß von der anderen Seite.

Anreißen der Maße am Plattenwerkstoff

Notwendige Hilfsmittel: Bleistift Winkel ggf. Latte mit Löchern und Nagel für Bögen und Radien

Gerade Kanten und rechte Winkel des Plattenwerkstoffs können, sofern sie makellos sind, als Aussenkante eines Werkstücks verwendet werden. Das spart Zeit.

Zwischen einzelnen Werkstücken muss beim anreißen ca. 1 cm Platz gelassen werden, dieser Platz wird für den Schnitt und die Zugabe benötigt, die später abgehobelt oder geschliffen wird.

Fehlerkontrolle: Große Flächen lassen sich auf Winkligkeit mittels Satz des Pythagoras überprüfen. Die eingezeichneten Werkstücke sind umgehend eindeutig zu kennzeichnen, z.B. mit einer laufenden Nummer der Stückliste. Doppelt prüfen: ist die Stückliste vollständig?

Es gilt stets: measure twice, cut once.

Arbeitssicherheit und Ausrüstung

In der Holzwerkstatt sind eng anliegende Kleidung, festes Schuhwerk (optimal sind Stahlkappen), Schutzbrille und Gehörschutz zu empfehlen. Lange Haare müssen zusammengebunden werden. Handschuhe ausziehen, das Textil kann von der Säge erfasst werden und verhindert ein Wegziehen der Hand. Ringe und Armbanduhr sind abzulegen, die Ärmel werden stets so weit hochgekrempelt dass die Unterarme frei sind. Bleistift und Zollstock sind in vielen Arbeitsabläufen hilfreich und gehören ebenso zur persönlichen Ausstattung. Ein Taschenrechner hat sich als praktisches Hilfsmittel ebenso bewährt Essen hat in der Werkstatt nichts zu suchen. Oft verursacht es Flecken auf dem unbehandelten Holz, ebenso gibt es in der Holzwerkstatt Lacke und Kleber, die besser nicht verschluckt werden sollten.

Werkstücke richtig fixieren

Meist sind 2 Zwingen ausreichend, ein zusätzliches Kantholz oder ein Stück dicke Arbeitsplatte kann Deformation effektiv verhindern.

Sicherer Umgang mit Akkuschrauber/Handbohrer

Wichtig ist, dass lange Haare zusammengebunden werden oder unter einer Mütze verschwinden. Verfängt sich ein Haarstrang im Bohrer, kann dieser samt der Kopfhaut ausgerissen werden. Ebenso sollte stets eine Schutzbrille getragen werden, besonders beim Bohren in Metall.

Vor größeren Projekten sollte man stets sichergehen, dass der Akku aufgeladen ist, ansonsten kann die Arbeit wegen leerem Akkku zum Stillstand kommen. Bei großen Projekten empfiehlt sich auch die Verwendung von mehreren Akkuschraubern, damit diese im Wechsel aufgeladen und verwendet werden können.

Akkuschrauber mit verschienden Geschwindigkeiten bieten eine schnelle Übersetzung zum bohren mit schwachen Drehmoment und eine langsame Übersetzung zum eindrehen von Schrauben.

Das Spannfutter lässt sich auf- und zudrehen, indem man das Futter festhält und vorsichtig den Schrauber vorwärts oder rückwärts fahren lässt. Das geht erheblich schneller als von Hand.

Mit der Drehmomenteinstellung soll verhindert werden, dass Schrauben beim einschrauben zu tief in das Material geschraubt werden. Je tiefer eine Schraube eingeschraubt wird, desto höher ist das dafür notwendige Drehmoment, da das Gewinde im Holz für immer mehr Reibung sorgt. Die Drehmomenteinstellung wird so lange gesteigert, bis das Drehmoment ausreichend stark ist um die Schraube vollständig zu versenken.

Beim schrauben ist stets ein Bithalter oder ein Lang-Bit einzusetzen. Die Bitgröße muss passend sein, ansonsten können Schrauben Schaden nehmen oder das Ausschrauben wird sehr schwierig.

Sinnvolles Zubehör zum Akkuschrauber ist ein Schraubendreher mit Bitaufnahme als Handwerkzeug. Damit lassen sich Bits auch in engen Ecken verschrauben, wo der Akkuschrauber nicht reinpasst (z.B. Schublade Innenseite), auch bei leerem Akku lässt sich damit zur Not weiterarbeiten.

Bohrerkunde

Man unterscheidet zwischen Metall-, Holz- und Steinbohrern. Letztere spielen beim Möbelbau keine Rolle und werden daher an dieser Stelle ignoriert. Schnittgeschwindigkeiten sind bei Handbohrern afaik nicht relevant. Falls doch, bitte ergänzen.

Holzbohrer haben eine Zentrierspitze und sind dadurch leicht zu erkennen.

Metallbohrer haben keine zentrierspitze. Beim bohren von dicken Metallstücken muss auf ausreichende Kühlung geachtet werden um ein Ausglühen des Bohrers zu vermeiden.

Sonderbohrer bitte ergänzen.

Bohrtiefe begrenzen mittels Augenmaß und Klebeband am Bohrer indem die Bohrtiefe mittels eines Stück Klebeband am Bohrer visualisiert wird bohrt man nach Augenmaß nur so tief bis das Klebeband auf Höhe des Materials ist.

Konzentrisches Bohren Benötigt man ein Bohrloch, in dem unterschiedliche Radien vorhanden sein sollen, wird als erstes mit dem kleinsten Bohrer in voller Tiefe vorgebohrt, da dessen Bohrloch dazu verwendet werden muss, um sämtliche anderen Bohrer zu zentrieren.

Schraubenkunde

https://www.youtube.com/watch?v=OCqDFN3vVBQ#t=3m36

Nicht umfassend, aber für den Anfang ausreichendes Wissen. Mehr Infos zu Schrauben gibt es im Fachbuch „Holztechnik“.

Sicherer Umgang mit Stichsäge

Die Pendelhubsäge oder umgangssprachlich Stichsäge ist klein und günstig, daher ist sie in fast jedem Haushalt vorhanden (oder man leiht sie sich aus). Sie sehr vielseitig einsetzbar, da mit ihr Bögen und gerade Schnitte machbar sind. Sie kann aber nicht so schnell schneiden wie ein Kreissägeblatt, das macht sie perfekt für kleine bis mittlere Projekte. Voraussetzungen: Schaubzwingen zum fixieren und Bleistift nebst Metermaß zum vorzeichnen sind erforderlich. Verlängerungsschnur kann ggf. notwendig sein. Ersatzsägeblätter sollten vorhanden sein, falls eines kaputtgeht. Beim Schneiden sind eng anliegende Kleidung, festes Schuhwerk (optimal sind Stahlkappen, Reststück fällt oft auf die Füße), Schutzbrille und Gehörschutz zu empfehlen. Lange Haare müssen zusammengebunden werden. Handschuhe ausziehen, das Textil kann von der Säge erfasst werden und verhindert ein Wegziehen der Hand.

Sägeblätter gibt es für unterschiedliche Materialien, man beachte dass man mit der Geschwindigkeitseinstellung die Stichsäge an das Material das man sägen will anpassen kann, Holz = Weich (ACHTUNG: es gibt auch Hartes Holz) = Hohe (Drehzahl) Geschwindigkeit + Hoher Pendelhub; Acryl, Blech = Langsame (Drehzahl) Geschwindigkeit + geringer/kein Pendelhub Breite Sägeblätter sind für gerade Schnitte, schmale Blätter für Kurvenschnitte besser geeignet. Blau ausgeglühte Sägeblätter haben ihre Schnittgüte verloren und können weggeworfen werden. Wichtig: Beim Sägeblattwechsel und Einstellungen am Schlitten immer den Netzstecker ziehen!

Es ist stets darauf zu achten, dass das Sägeblatt lang genug ist, um das Werkstück zu durchtrennen, insbesondere wenn der Sägeschlitten nicht auf 90 Grad eingestellt ist.

Die zu schneidende Kontur am Werkstück kann entweder als Papierschablone aufgeklebt (als technische Zeichnung im Maßstab 1:1) oder mit Bleistift aufgezeichnet werden. Hat das Werkstück gerade Flächen, ggf. die Aussenkante der Platte dafür verwenden um Zeit zu sparen.

Schneiden entlang einer Schiene oder Schablone: Ein Kantholz kann als Führungsschiene verwendet werden. Eine Reststück Platte ist breiter und kann gleichzeitig zum fixieren am Tisch verwendet werden. Dafür sind 2 Zwingen notwendig. Nach der Fixierung nochmals überprüfen, ob der Schneideweg den Werktisch darunter unversehrt lässt oder nicht.

WICHTIG: Werkstücke müssen zum sägen immer mit Zwingen festgespannt werden!

Während des Schneidens gehören beide Hände an das obere Ende der Säge, eine Hand ans vordere Ende, eine Hand um den Griff. Das führt zu besseren Schnittergebnissen und gewährleistet sicheres Arbeiten. Ein langsamer Vorschub ist für ein gutes Schnittergebnis notwendig. Tipp: Beim schneiden von langen Schnitten die Füße so hinstellen, dass so wenig Schritte wie möglich gemacht werden müssen, um wackeln zu vermeiden. In einem simulierten Schnitt über dem Werkstück wird sichergestellt, dass das Kabel der Säge während des ganzen Schnittes zugentlastet ist. Gleiches gilt für den Schlauch des Staubsaugers. Steht ein Assistent zur verfügung der das Plattenreststück festhält um ein Ausbrechen zu vermeiden, macht er beim simulierten Schnitt mit.

Neigt die Arbeitsplatte beim zuschneiden zum ausreißen, kann die Schnittfläche auf der Unterseite mit Klebeband (z.B. Maler Krepp) überklebt werden um dem entgegenzuwirken.

Sich vergewissern, auf welcher Seite des Striches man sägen muss. Soll die Kante des Werkstückes makellos sein, bleiben ca. 2mm neben dem Strich am Werkstück, die in einem 2. Arbeitsschritt mit Hobel/Raspel und Feile/Schleifpapier nach dem Sägevorgang entfernt werden.

Während des Schneidens verfolgen die Augen den Schnitt direkt am Stichsägeblatt. Sägespäne die den Blick auf den vorgezeichneten Strich verwehren werden durch gleichmäßiges Pusten weggeblasen, insbesondere beim freihändigen sägen ohne Führungsschiene.

Muss aus irgendeinem Grund der Schnittvorgang in der Platte unterbrochen werden, muss die Säge ausgeschaltet werden während sie im Werkstück verbleibt. Erst nach Stillstand des Sägeblattes die Säge aus dem Werkstück herausziehen. Zieht man die laufende Säge aus dem Werkstück besteht die Gefahr dass das Sägeblatt durch den Hub verbogen wird.

Plattenwerkstoff richtig verschrauben (Vorbohren, “Die Schraube zieht”, Torx vs. Kreuz)

2 Bretter lassen sich auch mit Schrauben zusammenziehen, die ein Vollgewinde haben. Dafür werden im oberen Brett die Schraublöcher mit deinem Durchmesser vorgebohrt, der größer als das Schraubengewinde ist.

Überprüfung und Korrektur der Winkligkeit

Hat man einen Korpus verschraubt, kann man die Diagonale messen um die winkligkeit zu überprüfen. Ist eine Diagonale größer als die andere, kann eine Zwinge über der längeren Diagonale dazu verwendet werden, Rechtwinkligkeit wiederherzustellen.

Schleifpapier, ein Überblick über die Awendungsbereiche verschiedener Körnungen

Hilfsmittel: Schleifklotz, zur Not tut es auch ein zugeschnittenes Reststück Holz aus der Restekiste.

Schleifpapier als Alternative zur Raspel: Körnung 40-120

Oberflächenbehandlung: 160-240, auch im Nasschliff bei Lackarbeiten, um aufgequollene Holzfasern nach dem 1. Lackiergang wegzuschleifen und die Oberfläche glatt zu bekommen. Die Qualität der Oberfläche wird durch abfahren mit der Hand geprüft.

Ab der Fläche eines Bettrahmens würde ich persönlich über die Anschaffung eines Schwingschleifers oder Exzenterschleifers nachdenken, da damit die Arbeit schneller von der Hand geht.

workshop_holzwerkstatt/umgang_mit_bohrer_stichsaege_und_schrauben.txt · Zuletzt geändert: 13.08.2019 22:38 von felix